Magnitude 4,4 Erdbeben im Raum Gloggnitz/Semmering
Am Freitag, den 24. Juli 2026, ereignete sich nachts um 01:59 Uhr MESZ im Raum Gloggnitz/Semmering, Niederösterreich ein kräftiges Erdbeben der Magnitude 4,4 ML und mit einer Tiefe von rund 5km.
Es sind bereits über 800 Wahrnehmungsberichte beim Österreichischen Erdbebendienst eingetroffen. Das Beben wurde in weiten Teilen von Niederösterreich (bis Krems), der Steiermark (von Bruck an der Mur bis in den Grenzbereich zu Slowenien), sowie Wien und dem Burgenland verspürt. Vereinzelte Meldungen erreichten uns auch aus Oberösterreich.
Aus dem Bereich des Epizentrums, wo die Erschütterung am stärksten war und viele Personen aus dem Schlaf geweckt wurden, liegen auch erste Meldungen über leichte Gebäudeschäden vor. Das tatsächliche Ausmaß der Schäden wird derzeit noch erhoben.
Nach ersten Auswertungen hatte das Beben eine maximale Intensität von VI EMS-98.
In Niederösterreich werden im Durchschnitt zehn Erdbeben pro Jahr wahrgenommen. Etwa alle acht Jahre ereignen sich Beben, die bereits zu leichten Gebäudeschäden führen. Stärkere Erdbeben, die vereinzelt größere Schäden verursachen, finden alle 30 bis 40 Jahre statt und noch stärkere im Abstand von mehr als 100 Jahren.
Das letzte dieser Kategorie, das eine Intensität vom Grad VIII EMS-98 (schwere Gebäudeschäden) und eine Magnitude von 5,2 aufwies, fand am 8. Oktober 1927 in Schwadorf statt.
Im Semmeringgebiet sind auch stärkere Erdbeben dokumentiert, wie das Erdbeben aus dem Jahr 1964 (Magnitude 5,3) und das Erdbeben bei Maria Schutz aus dem Jahr 1984 (Magnitude 4,9). Das letzte stärkere Beben in der Region ereignete sich am 1.2.2024 bei Semmering, mit einer Magnitude von 4,6. Es erreichte eine maximale Intensität von VI EMS-98 und verursachte ebenfalls leichten Gebäudeschäden.
Das wohl stärkste Erdbeben in historischer Zeit ereignete sich am 15. September 1590 in Ried am Riederberg. Es führte zu großen Schäden im Tullnerfeld und in der heutigen Bundeshauptstadt (siehe Wien).
Das Erdbeben vom 24. Juli 2026 wurde an allen seismischen Breitbandstationen des Österreichischen Erdbebendienstes registriert. In der Abbildung sind die Registrierungen an den Vertikalkomponenten der Seismometer für einen Zeitausschnitt von 3 Minuten dargestellt. Das Seismogramm zeigt die Uhrzeit in UTC (Weltzeit).
Die registrierten Bodenbeschleunigungswerte liegen deutlich unter den Bemessungswerten der ÖNORM 1998-1. Dort sind die Regeln für eine erdbebensichere Bemessung und Konstruktion von Bauwerken nach dem EUROCODE 8 definiert. Die Beschleunigungswerte sind an den meisten Standorten vergleichbar mit jenen vom Erdbeben aus dem Jahr 2024 (Magnitude 4,5ML). Erste Analysen des Herdmechanismus deuten eine Blattverschiebung an.
Der Großteil dieser Erdbeben ist auf einen Bruch in der Erdkruste unter dem Wiener Becken zurück zuführen, der sich von Seebenstein bis nach Schwadorf und darüber hinaus bis in die Slowakei erstreckt. Entlang dieser Bruchlinie liegen Wiener Neustadt (1712, 1768, 1841) und Ebreichsdorf (1938, 2000), die immer wieder Epizentren von Erdbeben sind. Diese horizontale Verschiebung trägt zu einer Ausweitung des Wiener Beckens bei, die bis heute andauert und auch zu einer Absenkung führt, die geodätisch nachweisbar ist. Eine Ausnahme stellen die vereinzelten Erdbeben am Rande des Tullner Beckens dar, die mit einer keilförmigen Aufschiebung der Kalkalpen über die Böhmische Masse erklärt werden kann.
Die Erdbeben in Niederösterreich ereignen sich in einer Tiefe zwischen 5 und 11 km.
Das Land Niederösterreich förderte ein langjähriges Projekt zur Erfassung historischer Erdbeben in Niederösterreich und hat zusammen mit dem BMWF die Errichtung des geophysikalischen Conrad Observatoriums bei Muggendorf ermöglicht, wo umfassende Erdbeobachtungen durchgeführt werden.


