Geothermie als unverzichtbarer Baustein der Energiewende
Anlässlich des Weltgeothermietages am 17. Oktober rückt eine Energiequelle in den Fokus, die enormes Potenzial für Klimaschutz, Versorgungssicherheit und die Wärmewende bietet: die Geothermie. Sie nutzt die natürliche Wärme des Untergrunds und stellt erneuerbare Energie unabhängig von Wetter und Tageszeit bereit.
„Für das Gelingen der Energiewende spielt die Wärmewende eine Schlüsselrolle. Rund die Hälfte des Energieverbrauchs entfällt auf den Wärmesektor, während erst ein Teil davon aus erneuerbaren Quellen stammt. Geothermie kann hier einen entscheidenden Beitrag leisten“, betont Cornelia Steiner von der Abteilung Rohstoffgeologie und Geoenergie der GeoSphere Austria. „Als heimische Energiequelle reduziert Geothermie die Abhängigkeit von fossilen Importen, stärkt die Energiesicherheit und unterstützt den Weg zu einer klimaneutralen Energieversorgung. Auf den Punkt gebracht: Ohne Wärmewende keine Energiewende“, erklärt Steiner.
Grundsätzlich wird zwischen tiefer und oberflächennaher Geothermie unterschieden. Tiefe Geothermie nutzt die im tiefen Untergrund gespeicherte Wärme, beispielsweise durch die Förderung von Thermalwasser aus bis mehreren tausend Metern Tiefe. Dabei können Temperaturen von über 90 Grad Celsius erreicht werden. In Österreich wird die tiefe Geothermie bislang in zehn Anlagen genutzt und die derzeit heißeste Bohrung für tiefe Geothermie befindet sich in Fürstenfeld mit 124,5 Grad Celsius. Sie erreicht eine Tiefe von 3.188 Meter.
Die oberflächennahe Geothermie umfasst Anlagen bis 300 Meter Tiefe und kann nahezu flächendeckend eingesetzt werden. Zum Einsatz kommen Erdwärmesonden, Grundwasserwärmepumpen sowie Horizontal- und Ringgrabenkollektoren. Mit oberflächennaher Geothermie können Gebäude aber nicht nur beheizt, sondern auch gekühlt werden. Der Untergrund dient dabei wie eine „Wärmebatterie“ als natürlicher Energiespeicher: Im Sommer aufgenommene Wärme kann im Winter wieder genutzt werden. Der Großteil der geothermisch genutzten Wärme in Österreich stammt aus oberflächennahen Systemen. Schätzungen zufolge erzeugen sie rund achtmal mehr Wärme als die tiefe Geothermie.
Die Nutzung tiefer Geothermie in Österreich begann 1979 mit der Anlage in Bad Waltersdorf. Viele der ersten geothermischen Vorkommen wurden bei Öl- und Gasbohrungen entdeckt, als statt fossiler Rohstoffe heißes Wasser erschlossen wurde. Während die Nutzung von Thermalwasser zunächst vor allem auf Thermal- und Heilbäder ausgerichtet war, gewann später die gezielte Wärmeversorgung über geothermische Fernwärmenetze zunehmend an Bedeutung. Heute wird tiefe Geothermie in Österreich überwiegend zur Wärmeversorgung eingesetzt. An zwei Standorten – Fürstenfeld und Bad Blumau (beide ST) – wird zusätzlich Strom erzeugt. Die Kombination von Wärme- und Stromerzeugung ermöglicht eine besonders effiziente Nutzung und verbessert die Wirtschaftlichkeit der Stromproduktion.
Die oberflächennahe Geothermie blickt auf eine noch längere Entwicklung zurück. Erste Anwendungen entstanden bereits in den 1950er-Jahren. Nach einem ersten Aufschwung in den 1980er-Jahren nahm die Zahl der Anlagen in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren stark zu. Der Ausbau erreichte mit der globalen Finanzkrise seinen bisherigen Höhepunkt. Seither werden weiterhin neue Anlagen errichtet, die damaligen Rekordzahlen konnten jedoch nicht mehr erreicht werden.
